Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe (FGW), Remscheid


Die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe e.V. (FGW) ist eine private, gemeinnützige Institution für die angewandte Forschung mit angeschlossenen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben. Seit über 60 Jahren versteht sich die FGW als Schnittstelle zwischen der universitären Forschung und dem anwendungsorientierten Bedarf der Werkzeug-, Schneidwaren- und Besteckindustrie.

Die FGW ist Träger folgender Abteilungen:

Durch die langjährige Erfahrung rund um die Werkzeug- und Schneidwarenindustrie ist die FGW heute Kompetenzträger auf diesem Gebiet, wovon sowohl die Forschung als auch die industrielle Dienstleistung gegenseitig profitiert.

Das IFW führt für die FPH derzeit das Forschungsvorhaben Spänedynamik am Kreissägewerkzeug durch.

Kontakt

Dr. Christian Pelshenke
Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe e.V.
Papenberger Str. 49
42859 Remscheid
Tel.: +49-2191-5921-111
pelshenke@fgw.de
http://www.fgw.de◥


Spannungseinbringung bei der Kreissägeblattherstellung

Titel: Einflüsse der Spannungseinbringung bei der Kreissägeblattherstellung auf das dynamische Prozessverhalten

IGF-Nr.: 17950 N

Ausgangssituation

Kreissägewerkzeuge sind durch ein extrem hohes Durchmesser-zu-Dicken-Verhältnis gekennzeichnet, um möglichst schmale Trennfugen zu erreichen. Allerdings sind die Werkzeuge auch gerade aufgrund dieses hohen Verhältnisses sehr sensitiv gegen axiale Auslenkungen. Diese Schwingungen verschlechtern Arbeitsergebnis sowie Schnittqualität und belasten sowohl den Bediener als auch das Werkzeug. Standzeiten werden hierdurch deutlich verkürzt. Um Werkzeugschwingungen zu reduzieren existieren mehrere Ansätze. Neben Dämpfungsmechanismen ist eine geeignete Konditionierung des Werkzeugs eine Möglichkeit.

Kreissägeblätter verfügen aufgrund ihrer geometrischen Abmessungen, Massen und Materialzuständen über Eigenfrequenzen, die in ihrem Anregungsbereich zu Resonanzen führen. In diesem Resonanzbereich treten starke, axiale Amplituden auf. Durch den Trennprozess sind Erregerfrequenzen fest vorgegeben, da diese durch die Zahnteilung, die Drehfrequenz und Spindelanregungen festliegen. Um die Eigenfrequenzen nun von den Erregerfrequenzen zu separieren, können die Eigenfrequenzen des Werkzeugs verschoben werden. Dieses geschieht beispiel­sweise durch das gezielte Einbringen von Eigenspannungen.

Genau hier setzte das Forschungsvorhaben an, indem es produkt- und verfahrens­orientiert Korrelationen erarbeitet, die den Zusammenhang zwischen definiert eingebrachten Spannungen und dem tatsächlichen, dynamischen Verhalten aufzeigte.

Raumfest, statisch gemessene Eigenfrequenzen spalten im Campbell-Diagramm in eine vorwärts und rückwärts laufenden Welle auf und dienen nicht hinlänglich zur Bestimmung der kritischen Drehzahlen, da die Identifizierung der umlaufenden Wellen unter Umständen nicht erfolgen kann. Dieses trifft gerade für hochdynamische und hochkomplexe Systeme zu.

Hier bietet sich an, das Messgitter eines Laserdoppler-Systems zur Schwingungsmessung synchron mit dem Messobjekt mitrotieren zu lassen. Dadurch werden werkzeugfeste Messdaten erzeugt, aus denen die entsprechenden, veränderten und realen Betriebsschwingungen unter Einsatzdrehzahl erst hinlänglich bestimmt werden können.

Forschungsziele

Ziele des Forschungsvorhabens waren die Ermittlung des statischen und dynamischen Werkzeugverhaltens in Abhängigkeit der eingebrachten Eigenspannung, das Erfassen der Korrelation der eingebrachten Spannungen zum dynamischen Werkzeugverhalten und letztlich die Entwicklung eines Modells als anwendungsorientierter Handlungsleitfaden zur Bereitstellung neuer und verbesserter Produkte. Dabei wurden, im Vergleich zu früheren Vorhaben auf diesem Gebiet, hier erstmals die Wirkung der Spannungseinbringung im Hinblick auf die Eigenfrequenzlagen und Schwingungsmoden direkt am rotierenden Kreissägeblatt drehzahlabhängig gemessen.

Forschungsergebnisse

Eigenfrequenzen lassen sich fertigungstechnisch durch einzubringende Eigenspannungen verschieben. Ein Ziel des Spannens der scheibenförmigen Werkzeuge ist die Separation der Eigenfrequenzen von möglichen Erregerfrequenzen. Ein weiteres Ziel ist es, dem Kreissägeblatt die richtige makroskopische Grund­spannung zu verleihen, um einerseits im Prozess die nötige Stabilität zu erlangen und andererseits auch durch den Prozess selbst auftretenden Spannungsänderungen, etwa durch einen Temperaturgradienten im Werkzeug, entgegen zu wirken.

Im Rahmen dieses Vorhabens wurden die unterschiedlichen Prozessparameter, die zum Spannen von Kreissägewerkzeuge durch mechanisches Walzen erforderlich sind, weiterentwickelt und hinsichtlich ihrer Eignung evaluiert. Die Parameter Walzradius, Walzdruck und Anzahl der Walzungen wurden jeweils variiert und mit den Auswirkungen auf das dynamische Verhalten und dem Spannungszustand der Werkzeuge korreliert.

Im statischen Fall können so Eigenfrequenzen des Werkzeuges von den auftretenden Erregerfrequenzen separiert werden. Im dynamischen Fall verschieben sich die Eigenfrequenzen des Werkzeugs aufgrund einer Versteifung durch die Rotation des Werkzeugs. Diese Verschiebung verläuft nicht linear und war bisher theoretisch nicht hinreichend beschrieben. Hieraus bestand die Forderung, Eigenfrequenzen und Schwingungsmoden an rotierenden Objekten zu messen, um Systematiken aufzuzeigen und wissenschaftliche Berechnungsgrundlagen zu schaffen. Bei dem dynamischen Verhalten der Werkzeuge ist der Einfluss auf mögliche kritische Betriebszustände von maßgeblicher Relevanz.

Abbildung 1: Wechsel vom Laborfesten (links) in das objektfeste System (rechts)

Eine optische Einheit zum Mitführen eines Messgitters machte hierbei die rotierenden Werkzeuge erst hinlänglich messtechnisch zugänglich. Hierbei wechselt man vom laborfesten Beobachtungssystem in das werkzeugfeste System, in dem das Labor quasi mit Drehzahl umläuft und das Werkzeug stillsteht (Abbildung 1). Hierbei ist eine kontinuierliche Beobachtung und Schwingungsmessung möglich.

Abbildung 2 : Kritische Drehzahl im Campbell-Diagramm und deren theoretische Berechnung

Es wurde unter Zuhilfenahme der erfassten Messungen eine Berechnungsmethode entwickelt, mit der man grundsätzlich das dynamische Verhalten der Werkzeuge aus wenigen, im statischen Zustand experimentell zu ermittelnden Eigenfrequenzen vorhersagen kann (Abbildung 2).

Zunächst wurden die Versuchssägen mit einem mechanischen Walzring, d.h. ein Walzen jeweils mit gleichem Radius auf der Vorder- und Rückseite des Kreissägewerkzeuges, mit unterschiedlichen Walzkreisradien und mit unterschiedlichen Walzdrücken pro Werkzeug versehen. Hierbei zeigten sich zum einen schon grundsätzliche Gesetzmäßigkeiten und zum anderen wurden hier die Grenzen und Bereiche der technisch noch machbaren und sinnvollen Parameter bestimmt. Der Bombierungsradius der Walzen wurde mit 70 mm jeweils konstant gehalten.

Abbildung 3: Gemessenes Campbell-Diagramm mit berechneten Werten (rote Punkte)

Die unterschiedlich gespannten Versuchswerkzeuge wurden dynamisch vermessen und die entsprechenden Campbell-Diagramme erzeugt (Abbildung 3). Die Versuche ergaben eine maximal mögliche Walzkraft von etwa 18 kN (= 130% Walzdruck, WD130), eine untere Grenze wurde mit etwa 10 kN (= 70% Walzdruck, WD70) und eine mittlere Walzkraft mit etwa 14 kN (= 100% Walzdruck, WD100) festgelegt. Das dynamische Verhalten und hier die maßgeblich relevante Verschiebung der kritischen Drehzahlen der Versuchssägen sind hauptsächlich von der Wahl des Walzradius und der Walzkraft beeinflusst. Der Walzradius WR80 (= 0,8 · Werkzeugradius) verschiebt die Drehzahlen selbst bei der stärksten verwendeten Kraft nur geringfügig. Erst der Walzradius WR65 verschiebt die Drehzahlen, auch abhängig von der Walzkraft, deutlich nach oben. Der kleinere Walzradius WR50 verstärkt diese Effekte noch etwas, ist aber gleichzeitig eine Grenze des technisch sinnvollen. Bei der Verwendung von kleineren Walzradien (WR45) wurden die Werkzeuge schon überspannt und sind so nicht mehr einsetzbar. Allerdings können überspannte Werkzeuge durch geeignete Walzringe auch wieder korrigiert werden.

Bei den Versuchssägen mit einem Walzring konnte eine maximale Verschiebung der ersten kritischen Drehzahl von 5.500 min-1 im ungespannten Zustand auf etwa 6.800 min-1 im gespannten Zustand erreicht werden. Die ermittelte RSK-Spannung dieser Werkzeuge betrug etwa 0,85 mm.

In der Abbildung 4 ist zu entnehmen, dass unterschiedliche Spannszenarien zu gleichen kritischen Drehzahlen führen können, allerdings zu unterschiedlichen RSK-Spannungen und somit zu unterschiedlichen Steifheiten der Kreissägen. In der Abbildung bezeichnet „WR“ den jeweiligen Walzradius und „WD“ den jeweiligen Walzdruck. Übereinanderstehende Werte geben die Historie an.

Abbildung 4: Unterschiedliche Spannszenarien

Eine Kombination „WR50WD100-WR65WD130“ führte bei zwei aufgebrachten Walzspuren zu einer noch etwas höheren ersten kritischen Drehzahl von 6.993 min-1. Die Reihenfolge des Auftragens der Walzringe ist hier allerdings wichtig, denn Versuchssägen, bei denen zuerst beim größeren Radius WR65 gewalzt wurde, waren überspannt. Die Kombination mit höherem Walzdruck der ersten Spur, „WR50WD130-WR65WD130“, überspannte die Werkzeuge ebenfalls.

Erst Kombinationen mit drei Walzringen konnten die kritischen Drehzahlen noch weiter nach oben verschieben. Das Walzszenario „WR80WD130-WR65WD130-WR50WD130“ lieferte mit 7.244 min-1 die höchste gemessene kritische Drehzahl der gesamten Versuchsreihe. Der zuerst aufgetragene Walzradius WR80 stabilisiert offensichtlich das Werkzeug, nimmt etwas Spannung aus dem Blatt heraus, so dass anschließend die Walzradien WR65 und WR50 mit dem höchsten Druck aufgetragen werden können ohne dass die Versuchssägen überspannt wurden.

Die im Werkzeug eingebrachte Spannung korreliert mit der Verschiebung der kritischen Drehzahl derart, dass höhere Spannungen auch die kritischen Drehzahlen nach oben verschieben. Im Fall einer einzelnen aufgebrachten Walzspur steigen die kritischen Drehzahlen annähernd linear mit dem Wert des makroskopischen RSK Spannungswertes an. Für den jeweiligen Werkzeugtyp gibt es eine maximale RSK‑Spannung, welche die Grenze zum „Überspannen“ des Werkzeuges markiert. Bei den Werkzeugen vom Typ A (3,2 mm Stammblattdicke bei einem Werkzeugdurchmesser von 400 mm) lag diese Grenze bei etwa 1 mm, bei den dünneren vom Typ C (2,2 mm Stammblattdicke und einem Werkzeugdurchmesser von 400 mm) bei etwa 0,6 mm. Bei mehreren aufgetragenen Walzringen erhöht sich das Niveau der Verschiebung der kritischen Drehzahlen. Durch mehrere Walzringe können daher grundsätzlich höhere kritische Drehzahlen bei vergleichsweise niedrigeren RSK Spannungen im Blatt eingestellt werden. Der größere Walzradius WR80 reduziert die eingebrachte Spannung ohne die kritischen Drehzahlen in gleicher Weise zu verringern. Mit ihm konnten sogar überspannte Werkzeuge (C1 und C3) „zurückgeholt“ werden. Hier liegt das Potential, das Verhältnis Werkzeugspannung zur Höhe der kritischen Drehzahl gezielt auf den jeweiligen Einsatz anwendungsbezogen einzustellen.

Das IGF-Vorhaben 17828 N der Forschungsvereinigung Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe e.V. (FGW), Papenberger Str. 49, 42859 Remscheid wurde über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.


Formgedächtnisbasierte Dämpfungselemente

Titel: Dämpfung von Schwingungen an Kreissägeblättern mit formgedächtnisbasierten Dämpfungselementen

IGF-Nr.: 17828 N

Forschungsstellen

Nr. 1: Institut für Werkzeugforschung und Werkstoffe – IFW - Remscheid
Nr. 2: Institut für Sicherungssysteme - ISS - Velbert

Ausgangssituation

Kreissägen stellen ein effizientes Werkzeug zum Trennen von Materialien dar. Insbesondere der Bereich der Holzverarbeitung ist durch stetig steigende Anforderungen hinsichtlich Fertigschnitt bei gleichzeitiger Erhöhung der Schnitt- und Vorschubgeschwindigkeit geprägt. Wesentlichen Einfluss auf den Schnittprozess haben die auftretenden Schwingungen. Ferner führen die im Trennwerkzeug auftretenden Schwingungen zu einer erheblichen Geräuschemission. Die Umsetzung von Dämpfungsmaßnahmen ist daher von hohem Interesse.

Ein neuer Ansatz, Schwingungen an mechanischen Strukturen zu dämpfen, bietet der Einsatz von Dämpfungselementen aus Formgedächtnislegierungen (FGL). Diese sind durch eine spannungsinduzierte Phasenumwandlung in der Lage, große Mengen mechanischer Energie in Wärmeenergie umzuwandeln. Dieser Effekt wird als Pseudoelastizität bezeichnet. Nickel-Titan (NiTi) als eine Formgedächtnislegierung verfügt dabei über den größten bekannten Effekt. Daher verfügt NiTi über das Potential, mit kompakten Dämpfungselementen auftretende Schwingungen effektiv dämpfen zu können. Die Dämpfung von Schwingungen mit höheren Frequenzen, die in der Bearbeitung mit schnell rotierenden Trennwerkzeugen entstehen, sind bisher nur unzureichend untersucht worden. Dementsprechend stehen noch keine geeigneten Lösungen für Dämpfungssysteme mit FGL in Kreissägemaschinen zur Verfügung.

Daraus entstand der Bedarf, die generelle Anwendbarkeit von FGL zur Dämpfung von prozessbedingten Schwingungen in Kreissägemaschinen zu untersuchen und einen Ansatz zur Anwendung deren Dämpfung mit FGL-basierten Dämpfungselementen zu entwickeln und zu erproben.

Forschungsziele

Das durchgeführte Forschungsvorhaben hatte zum Ziel, Grundlagenuntersuchungen zu den Dämpfungseigenschaften von FGL in Bezug auf die im Einsatzzweck auftretenden Schwingungen anzustellen, sowie die Entwicklung und Evaluierung von Dämpfungssystemen für den Einsatz im Sägeblatt und am Werkzeugflansch durchzuführen. Zur Voruntersuchung sollte ein System einer Kreissäge, bestehend aus Antrieb, unterschiedlichen Flanschen und Kreissägeblättern geeignet vermessen werden. Ein Teilprojekt hatte zum Ziel, die für die Entwicklung der Dämpfungselemente notwendigen materialwissenschaftlichen Grundlagen zu schaffen. Zur späteren optimalen Auslegung möglicher Dämpfungselemente, war es notwendig die Dämpfungseigenschaften von FGL-Halbzeugen in unterschiedlichen Belastungsarten zu untersuchen und die hierzu notwendigen Versuche und Prüfstände zu entwickeln. Auf Basis dieser Grundlagen sollte die Entwicklung von passiven Dämpfungselementen für die Integration in ein Kreissägeblatt bzw. in Kreissägeronden, sowie die Umsetzung in einen Demonstrator erfolgen. Parallel dazu war die Entwicklung von NiTi-Dämpfungselementen für den Werkzeugflansch, sowie die Umsetzung in einen Demonstrator durchzuführen. Von diesen Entwicklungen ausgehend sollte abschließend ein optimiertes Dämpfungskonzept entwickelt und als Demonstrator realisiert werden.

Forschungsergebnisse

Zur Untersuchung und Charakterisierung der Dämpfungseigenschaften der unterschiedlichen NiTi-Materialien (Legierungen und Halbzeuge) sind unterschiedliche Versuche und Messverfahren genutzt worden. Die zur Untersuchung der Dämpfungseigenschaften verwendeten Verfahren, wie Ausschwingversuche und aktive Anregung der Proben (Resonanzdurchfahrt), bedingten unterschiedliche Versuchsdurchführungen und -aufbauten, die geeignet zu entwickeln und aufgebaut werden mussten. Dabei sollten die Prüfstände die Untersuchung von Schwingungen in Quer- und Längsrichtung, sowie Biegeschwingungen ermöglichen. Anhand der beschriebenen Belastungsarten wurde für die unterschiedlichen NiTi-Halbzeuge die Lehrsche Dämpfung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Legierungs-zusammensetzungen, Vorbehandlungen sowie Spannungs- und Dehnungszuständen bestimmt. Anders als andere metallische Legierungen weist NiTi im Anwendungsbereich kein rein linearelastisches Verhalten auf, sondern bei verschiedenen Dehnungszuständen treten unterschiedliche Spannungszustände auf. Dies ist zu erkennen an elastischen und pseudoelastischen Bereichen im Spannungs-Dehnungsdiagramm (siehe Abb. 1). In diesem Projekt wurden hierzu verschiedene Untersuchungsbereiche festgelegt, die in Abb. 1 mit I-VI bezeichnet werden. Die Bereiche beziehen sich auf das Belastungsplateau (den oberen Teil der Hysterese). Bereich I und V beziehen sich auf die homogenen Kristallstrukturen, wobei Bereich II und IV die Übergangsbereiche zum Plateau betrachten und Bereich III das Spannungsplateau mit einem Mischgefüge aus Martensit und Austenit beinhaltet. Insbesondere der Bereich III zwischen 2% und 8% Dehnung ist für die Dämpfung relevant, da hier die Pseudoelastizität und damit ein Hystereseverhalten in der Umwandlung bei Be- und Entlastung auftritt.

Abb. 1: Typisches Spannungs-Dehnungsdiagramm für pseudoelastische NiTi-FGL

Als Referenz wurde Stahl vermessen. Die folgende Abb. 2 zeigt die 3 hierfür entwickelten und für die Versuche genutzten Prüfstände.

Abb. 2: oben lins: Prüfstand für aktive Biegeversuche; oben rechts: Prüfstand für querangeregte Ausklingversuche; unten: Prüfstand für aktive Längszugversuche

Mit Hilfe der Versuche wurden für NiTi die in der folgenden Tabelle dargestellten Dämpfungseigenschaften bestimmt. Anhand der Messergebnisse zeigt sich, dass NiTi unter bestimmten Voraussetzungen einen mehrfach höheren Dämpfungsgrad erreicht als Stahl. Die Dämpfung im pseudoelastischen Bereich (Bereich III) ist bei geringen Amplituden nicht signifikant größer als die Dämpfung im elastischen Bereich (in etwa vergleichbar mit Stahl). Höhere Dämpfung wird nur durch höhere Amplituden erreicht.

Bei höheren Amplituden wird die Dämpfung von Stahl durchaus deutlich übertroffen. Dieses Phänomen zeigt sich abgeschwächt auch außerhalb des pseudoelastischen Bereichs. Die Messungen zeigten eine Verringerung der Dämpfungskapazität über die Versuchsdauer.

Die durchgeführten Grundlagenversuche zur Dämpfung ermöglichten es, mit am Markt verfügbaren NiTi-Halbzeugformen Dämpfungslösungen zu entwickeln und miteinander zu vergleichen. Verwendete Halbzeuge sind FGL-Draht, -Blech und -Zylinder. Dabei sind u.a. auch Bauformen für Dämpfungselemente untersucht worden, wie sie für andere dämpfende Materialien wie Kunststoffe oder andere NE-Metalle, z.B. Kupferlegierungen, zum Einsatz kommen. Beispiele für konzeptionell entwickelte Dämpfungssysteme sind in den Abb. 3a und 3b dargestellt. Die Abbildungen zeigen sowohl mögliche Lösungen für Dämpfungselemente im Kreissägewerkzeug als auch Lösungen für die Integration in den Flansch.

Abb. 3a: Konzeptionelle Lösungen für den Flansch

Abb. 3b: Konzeptionelle Lösungen für das Kreissägeblatt

Zur Ermittlung der für ausgewählte Lösungen benötigten Vorspannungen wurde mittels Biegelinie die nötige Auslenkung mit Hilfe von einfachen Softwarewerkzeugen berechnet. Das Beispiel in Abb. 4 zeigt ein solches Softwarewerkzeug für einen Biegebalken, wie er z.B. in Lösung g) und h) der Abb. 3a verwendet werden kann.

Abb. 4: Softwarewerkzeug zur Auslegung eines Biege-Dämpfungselements

Für das Beispiel wurden unterschiedliche Einspannungen wie Brückenbogen (als Blech-Feder-Element), freier Kragarm (als einseitiges Feder-Element) oder ein am Shaker aufliegender Kragarm mit einzustellender Vordehnung mittels Widerlager betrachtet. In das Softwarewerkzeug können unter anderem mechanische Belastungsformen, die Abmessungen und die notwendige Spannung zum Erreichen der Pseudoelastizität eingegeben werden. Abschließend sind ausgewählte Konzepte als Demonstratoren realisiert und untersucht worden. Abb. 5 zeigt exemplarisch die Umsetzung von Lösung c) der Abb. 3a.

Abb. 5: Umsetzung von Lösung c) der Abb. 3a

Abb. 6 zeigt einen Auszug einer Messreihe aus den durchgeführten Messungen. In der Abbildung wird ein konventioneller Flansch mit Lösung c) in einer 2x3-Belegung auf beiden Seiten des Kreissägeblatts verglichen. Die Aufnahme des statischen Spektrums zeigt jeweils die auftretenden Eigenfrequenzen mit den aufgenommenen Amplituden. Es zeigte sich, dass die Eigenfrequenzen aufgrund der Veränderung des Flansches (Aufnahmebohrungen und eingesetzte Stifte) lediglich um wenige Hz verschoben wurden. Die gemessenen Amplituden fallen geringer aus. In diesem betrachteten Fall konnte die Amplitude der auftretenden Eigenfrequenz bei 250 Hz in einem erheblichen Maße gedämpft werden.

Abb. 6: Umsetzung von Lösung c) aus Abb. 3a

Die im Projekt erarbeiteten Ansätze für ein FGL-basiertes Dämpfungssystem wurden abschließend für die industriellen Partner zusammengefasst und aufbereitet. Am Ende des Vorhabens konnte anhand der aufgebauten Demonstratoren das geänderte Schwingungsverhalten der Kreissäge durch den Einsatz von FGL-Dämpfungselementen gezeigt werden.

Das IGF-Vorhaben 17828 N der Forschungsvereinigung Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe e.V. (FGW), Papenberger Str. 49, 42859 Remscheid wurde über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.


Sonstige abgeschlossene Forschungsvorhaben

Schwingungsstabilisierung von Kreissägewerkzeugen durch Verbundbauweise für die Holzbearbeitung (2014) — IGF 17192 B

Optimierung des Kreissägeprozesses in Hochleistungsberarbeitungszentren für die Bearbeitung von Holz, Holzwerkstoffen und Kunststoffen (2010) — IGF 15497 N

Entwicklung einer Schwingungsdämpfung über das Flanschsystem für scheibenförmige Trennwerkzeuge (2010) — IGF 15600 N

Minus ZEHN - Ganzheitliche Lärmminderung in der Holzbearbeitung (2010) – IGF 16499 N

 

Eine komplette Liste der abgeschlossenen Vorhaben und ausführliche Sachberichte können über die FGW bezogen werden.

 

 


Bildnachweis: FGW